Weniger Einstreumaterial, weniger Arbeit, weniger Mist
Im Vergleich zu Strohhäcksel wird eine deutlich geringere Menge an Pellets benötigt. Aber nicht nur der Bedarf an Einstreumaterial verringert sich dabei beträchtlich, sondern gleichzeitig die Menge des anfallenden Mists und der Zeitbedarf für das Entmisten des Stalls. Vom Handling her erweisen sich die Strukturpellets als unproblematisch. Man kann sie per Hand aus einem Eimer verstreuen oder mit einem Einstreugerät verteilen. Ist einmal eine ordentliche Matratze vorhanden, dann reicht es, wenn einmal pro Woche nachgestreut wird. Alle zehn bis 14 Tage muss mit ca. 15 - 20 kg Strukturpellets pro Liegebox kalkuliert werden. Aufgrund der mit 600 bis 700 kg/m3 hohen Schüttdichte ist nur wenig Lagerraum erforderlich, was sich gerade bei ohnehin oft auftretendem Platz- mangel als vorteilhaft erweist.
Praxiserprobung: Strohgranulat als Einstreu für Hochboxen?
Eine Hochbox benötigt immer Einstreu, die Flüssigkeiten (Milch, Kot, Harn und Schweiß der Kuh) bindet und Reibung zur Gelenkschonung der Kuh verhindert. Wird die Flüssigkeit nicht aufgenommen, kommt es zu Haarausfall und Irritationen der Haut, die ihre natürliche Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen kann. Die Folge sind Gelenkverletzungen. Häufig verwendete und bewährte Einstreumaterialien sind: Häckselstroh, Strohkrümelmehl, Sägemehl oder Kalkgemische. Relativ neu ist das Strohgranulat.
Im Milchviehstall des Staatsgutes Grub wurden im Rahmen einer Praxiserprobung in den vergangenen Wochen mehrere Hochboxen mit Strohgranulat eingestreut.
Fazit: Strohgranulat eignet sich sehr gut als Einstreumaterial für Hochboxen.
Ergebnisse im Überblick:
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- Sehr gute Akzeptanz bei den Kühen
- Sehr trockene und saubere Liegeflächen
- Sehr saubere Kühe
- Hochboxen mindestens zwei Mal pro Tag pflegen: Entfernung von Kothaufen
- Einstreuen der gesamten Liegefläche (100 %)
- 1 bis 2 x tägliches Einstreuen notwendig (die meisten Einstreumaterialien haften schlecht an Boxenbelägen)
- Strohgranulat ist gelenkschonend: Überprüfung durch Reibeprobe auf dem eigenen Handrücken
Kalken der Tiefboxen: Bringt das den gewünschten Effekt?
In der Praxis ist oft zu beobachten, dass Tiefliegeboxen täglich gekalkt werden. Hintergrund für diese Idee ist, dass Kalk oder auch mineralische Einstreupulver für trockene, hygienische Liegeboxen sorgen und die Eutergesundheit fördern bzw. stabilisieren. So soll Kalk quasi als „Gewissensberuhigung“ in Sachen Eutergesundheit dienen. Eine Studie zum Thema Kalk in 145 Milchviehbetrieben beweist:
- trocknender Effekt: ja
- trocknet Haut aus: ja (Hautrisse – Erreger dringen ein)
- pH-Wert-Erhöhung zeigt nicht den erwarteten Erfolg in Bezug auf die Eutergesundheit
Durch die große Menge an organischem Material gelingt nur eine pH-Wert-Absenkung in einen Bereich zwischen 5,5 - 8, um das Spektrum an euterpathogenen Keimen abzusenken, wäre ein pH-Wert von 11 notwendig. Somit erreicht man demnach mit Kalk weder eine Keimreduzierung noch die gewünschte pH-Erhöhung. Das tägliche Kalken bzw. Nachstreuen zeigt kaum einen tatsächlich gewünschten Effekt - auch nicht bei Hochboxen. Doch welche Einstreu empfiehlt sich dann überhaupt für Hochboxen? Denn die Einstreu, gerade für Hochboxen, muss ein Aufscheuern der Gelenke durch Reibung verhindern und zugleich bestmöglich Nässe aufnehmen. Generell gilt: Je kleiner die Strohanteile, desto besser nehmen sie Wasser auf.
- Strohhäcksel: nimmt in 5 Minuten die 3-fache Menge vom Eigengewicht auf
- Strohmehl: nimmt in 3 Minuten die 5-fache Menge vom Eigengewicht auf (Partikel < 10 mm)
Strohkrümelmehl und Strohgranulat für Hochboxen
Im Staatsgut Grub wurde im Bereich der Hochboxen viele Jahre mit einer Mischung aus Strohkrümelmehl und einem mineralischen Einstreupulver gearbeitet. Die Folge waren staubige und „panierte“ Kühe. Seit Februar 2024 wird aus diesem Grund auf das Einstreupulver verzichtet. Und siehe da, innerhalb weniger Wochen waren die Tiere bei gleichbleibendem Zellgehalt picobello sauber. Aktuell werden in Grub im Rahmen einer Praxiserprobung etliche Hochliegeboxen mit einem gelenkschonenden Strohgranulat eingestreut. Das Ausgangsmaterial für Strohgranulat ist trockenes, zerkleinertes, schimmelfreies Stroh. Dieses wird in feines Mehl zerkleinert, unter Hitze und Druck in Pelletform gepresst und im letzten Schritt gebrochen. Damit entsteht ein sehr saugfähiges Granulat. Durch die starke Erhitzung bei der Herstellung werden Keime erfolgreich abgetötet. Strohgranulat neutralisiert wirkungsvoll unangenehme Gerüche. Da das Granulat vor der Auslieferung abgesiebt wird, ist auch hier Staub kein Problem. Die mit Strohgranulat eingestreuten Hochboxen finden große Akzeptanz bei den Kühen. Die Liegeflächen sind sehr sauber und trocken.
Mehrere bereits seit Jahren im Gruber Stall befindliche Schaummatratzen mit Wasserbettauflage ohne Kühlung genießen bei den Kühen die gleiche Akzeptanz, wie gut gemanagte Tiefboxen. Mitte des Jahres 2024 werden im Milchviehstall Grub zehn gekühlte Wasserbetten eingebaut. Woher rührt diese Idee?
Wasserbettauflage zur Kühlung bei Hitzestress
Beobachtungen bei Kühen auf der Weide haben gezeigt, dass diese einen kühlen Untergrund bevorzugen. Warme Luft, die mit dem Körper in Berührung kommt, bildet auf dem Rücken der Tiere eine Isolierschicht. Diese verringert den aktiven Wärmeaustausch. Da 2/3 der Körperwärme durch den unteren Bereich der Kuh abgeführt wird, ist eine Kontaktkühlung effektiver als eine Luftkühlung z. B. durch Umluftventilatoren. So sollte man das Thema Hitzestress auch einmal aus diesem Blickwinkel betrachten.
Alle Tiefboxen und Komfortmatratzen bei Hochboxen haben eine isolierende Wirkung, die im Winterhalbjahr auch dringend notwendig ist. Im Sommerhalbjahr ist diese jedoch nicht erwünscht. Laut dem zertifizierten Kuhsignale-Trainer Wolfgang Müller stehen deshalb in der warmen Jahreszeit viele Kühe in den Liegeboxen und legen sich nicht ab. Generell konnte man in Grub beobachten: Jede Kuh hat ca. 2-3 Liegeboxen, die sie als die ihren beansprucht und die sie aber auch gerne mit anderen Stallkolleginnen teilt.
(Autor: Wolfgang Müller, Bayerische Staatsgüter / Foto: Max Riesberg)